Tag 15 – Reisetag

Da mein Abreisetag zufälligerweise auf eine Sonntag fällt, nehme ich den Flieger, der einmal in der Woche von Salvador nach Lençóis hin und zurückfliegt. Das schenkt mir einen entspannten Vormittag in dieser wunderschönen Oase, in der ich auch gerne noch ein paar Tage verweilt wäre.

Der Flughafen von Lençóis ist wie aus der Zeit gefallen. Er ist höchstens so groß wie der Dortmunder Flughafen und ich erfreue mich an der Oldschool-Methode, in der die Passagiere hier abgefertigt werden.

In Salvador will ich nur eine Nacht verbringen, da ich erst am frühen Abend ankomme und am nächsten Vormittag weiter nach Manaus fliege. Ich hatte mir eine Pousada gebucht, die nah am Flughafen liegt und trotzdem ein persönlicheres Ambiente bietet als die typischen Flughafen Hotels. Und zu meinem Glück fand ich eine, die als extra Service einen kostenlosen „rund um die Uhr“ Flughafentransfer anbietet. Perfekt, auch wenn ich mich fragte, wo der Pferdefuß ist.

Mit einem Schild auf dem mein Name steht, wird mich der Fahrer erwarten. Dem ist auch so, trotzdem bin ich überrascht. Vor mir steht Riff Raff aus der „Rocky Horror Picture Show“ , nur etwas gealtert. Ein Greis ist er inzwischen geworden, hat kaum noch Zähne und ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, als er meinen Rucksack ins Auto wuchtet.

Ich krame nach Trinkgeld in meiner Tasche, der alte Mann hat sicher ein paar Reals nötig, wenn er in dem hohen Alter noch arbeiten muss. Und staune nicht schlecht, als wir nach einer Fahrt durch ein Stadtteil mit vielen hohen Mauern, Stacheldraht und Kameras an der Pousada ankommen, die sich ebenfalls hinter einer großen Mauer mit Stacheldraht und Kamera befindet. Riff Raff ist der Besitzer dieser Pousada und heißt Gilberto. Er betreibt die Anlage mit seiner, vermutete ich, Frau mit schlichtem Gemüt und großer Tierliebe. Es gibt Hunde und Katzen und selbst die Vögel, die morgens das Frühstücksbüffet räubern, haben von ihr einen Namen bekommen. Damit sie sie persönlich ausschimpfen kann, wie mir die Enkelin übersetzt. Mir drängt sich das Gefühl auf, ich bin in einem Monteurshotel gelandet, nur eben auf brasilianischer Art.

Meine Frage nach der Möglichkeit was zu essen, beantworte Gilberto mit dem Hinweis, sie würden keinen entsprechenden Service bieten und die nächsten Restaurants sind 2 km entfernt. Ich könnte einen Lieferservice in Anspruch nehmen, oder er würde mich irgendwo hinfahren und später dann wieder abholen. Seine Enkelin mischt sich ein und empfiehlt mir ein Restaurant, wo die Familie gerne hingeht. Nach ein bisschen hin und her entscheide ich mich für diese Option. Ich werde an dem Fischrestaurant rausgelassen mit den Hinweis auf die sichere Umgebung.

Zum ersten Mal auf dieser Brasilien Reise erkenne ich weit und breit keine weiteren Touristen. Auch in dem Restaurant sehe ich nur Einheimische. Ich freue mich darüber, schlendere nach dem Essen noch ein bisschen hin und her, bis Gilberto mich nach zwei Stunden wieder wieder abholt.

Mein Zimmer ist sauber und okay, ich schlafe gut.