Mir geht es wieder gut, juhuu!
Ich glaube, mein Unwohlsein vom Vortag war der Mayonnaise geschuldet, die ich mit Pommes auf dem Zuckerhut verspeist hatte.
Beschwingt packe ich meinen vorerst letzten Tag in Rio de Janeiro an. Es muss ja noch einiges besichtigt werden.
Da wäre die Escadaria do Selarón, eine berühmte Treppe und quasi ein Muss für fleißige Touristinnen und Touristen.
Beherzt mache ich mich auf dem Weg und bin erschlagen. Nicht von der Schönheit der Treppe, sondern von den Menschenmassen, die mir hier begegnen.
Ich kann nicht anders – ihr müsst da jetzt durch. Meine Faszination über die „Poser“ gleicht der Faszination von Menschen an Autounfällen, ein Schaudern – aber nicht aufhören können zu beobachten.
Pola erzählte mir später von Tagen in der Hochsaison, an denen, niemand die Treppe aufsteigen kann. Weil die Touristen den Weg nicht freigeben, damit sie ihre „Ich war hier“ Fotos machen zu können.










Ungelogen! Ich habe niemanden gesehen, der die Fliesen, also die Kunst beachtete . Die Treppe dient nur als Kulisse für Selfies. Sehr traurig, denn die Escadaria do Selarón ist das Lebenswerk des 2013 verstorbenen chilenischen Künstlers Jorge Selarón. Seit 1989 verzierte er, ein Maler kein Fliesenleger, ohne Honorar eine öffentliche Treppe mit kunstvollen Fliesen aus aller Welt. Ein Selarón häufiges Motiv waren Darstellungen von schwangeren Frauen.



Es gibt eine historischen Straßenbahn, die durch das berühmte Viertel Santa Teresa rattert. Aber ihr wisst schon — die Sache mit den Transportmitteln. Als ich am Mittag dort ankam, waren alle Tickets ausverkauft. Also musste ich wieder ein Uber bestellen, von dort loszulaufen wäre zu gefährlich gewesen.
Einen schöner Anblick war Parque das Ruínas, eine Kulturstätte, die auf den Ruinen eines alten Herrenhaus gebaut wurde.



Santa Teresa ist geprägt von idyllischen Gärten und Villen aus der Kolonialzeit. In den prachtvollen Häusern residierten einst die Kaffeebarone. Heute leben in Santa Teresa viele Künstlerinnen und Künstler, es gibt kleine Läden mit skurrilen Angeboten und jede Menge Bars. Und – sehr zu meiner Freude entdeckte ich ein Kino. „The Secret Agenten“ lief dort. Ein brasilianischer Film, der für den Oscar nominiert und unbedingt sehenswert ist.











Mein Lieblingsort aber war an dem Tag das Haus von Laurinda Santas Lobo. Sie ist Repräsentantin emanzipierter Frauen des 19. Jahrhundert und sie hat als Kunstmäzenin die Kulturgeschichte in Rio maßgeblich geprägt. Heute finden in dem Garten Konzerte und kleine Kunstausstellungen statt.








Den Tag beendete ich mit Pola in ihrem Lieblingsrestaurant.
