Hektisch drücke ich den Knopf, aber keiner der beiden Fahrstühle kommt nach oben. Sie liefern sich ein Wettbewerb in den unteren Geschossen, scheinen aber das 13. Stockwerk nicht überwinden zu wollen. Ich stehe seit etlichen Minuten vor der Tür und kann mir nicht erklären was passiert. Dann endlich schafft es der linke Fahrstuhl bis zur mir in die 17. Etage, aber die Tür öffnet sich nicht. Ich fühle mich wie in Philipp Kerrs Roman „Game Over“. Es ist spuky.
Ich hatte den Abend mit einem Caipirinha auf der Dachterrasse neben dem Swimmingpool ausklingen lassen. Obwohl es der schönste Ort des Hotels ist, ist nicht viel los. Ein anderer Gast zieht seine Bahnen und der Barkeeper lächelt müde, als ich die Terrasse betrete. Als ich mich eine Stunde später in mein Zimmer verziehen möchte, ist niemand mehr da. Obwohl die Bar noch eine halbe Stunde hätte offen sein müssen, ist alles abgeräumt. Der Barkeeper ist weg.
Nur der Fernseher in Leinwandgröße überträgt ein Fußballspiel, es muss wichtig sein denn der Kommentator brüllt mit vollem Engagement.
Wenn ich hier oben nicht übernachten möchte, muss ich eine andere Lösung finden. Es muss doch eine Treppe geben. Jedes Hochhaus hat ein Treppe, allein schon wegen des Fluchtweges. Ich suche nach einer Tür in der Nähe der Fahrstühle. Und ja da ist eine, ich öffne sie unsicher. Kein Treppenhaus, nur zwei weitere Türen. Vorsichtig wage ich mich vor, es folgt eine dritte Tür, dann noch eine weitere und dann ich stehe im Treppenhaus. Geistesgegenwärtig werfe einen Blick auf den Türgriff. Ich will sicher sein, dass sie sich von der anderen Seite öffnen lässt und mich nicht endgültig in eine missliche Lage bringt.
Das Treppenhaus ist eng und das Licht ist mau. Es ist nicht wirklich zum Benutzen gedacht. Soll ich es wagen über diesen Weg in meine 9 Etage zu kommen? Ich gebe dem Fahrstuhl eine weitere Chance. Das Spiel mit der sich nicht öffnenden Tür wiederholt sich. Der Fahrstuhl kommt, die Tür bleibt verschlossen, er fährt ohne mich wieder ab.
Ich habe keinen Bedarf die Nacht mit brasilianischen Fußballern hinter der Mattscheibe und dem schreienden Kommentator zu verbringen.
Okay, ich habe keine andere Option, zurück zum Treppenhaus. Meine Flip Flops knallen laut, als ich mich zügig abwärts von einer Etage zur nächsten bewege und endlich meinen Flur erreichte.
Manaus macht es mir nicht einfach, es zu mögen. Alles hier wirkt abgeranzt, selbst mein internationales Vier-Sterne-Hotel. Nur eins der drei kleinen Lichter lässt sich einschalten, die Dusche hat Schimmelflecken.
Der Toilettensitz passt nicht auf die Schlüssel. Jedesmal wenn ich auf dem Klo sitze, knallt mir der Deckel in den Rücken. Zum Glück ist er aus billigem Plastik und dadurch sehr leicht.
Die Matratze ist mit Abstand die schlechteste, auf der ich während meiner gesamten Reise liege. Die Pasta, die ich mir bestelle sind viel zu weich und die Soße ist garantiert Miracoli.
Am nächsten Morgen werde ich wieder einsam im Bikini vor der verschlossenen Tür des Pools stehen, der um sieben Uhr hätte öffnen soll. Nein heute nicht, antworte die Frau der Rezeption ohne weitere Erklärung.




Es wird Zeit, dass ich von hier fortkomme.
