Tag 20 und 21 – Tariri Dschungle Lodge

Und auf einmal sind alle weg. Meine neuen holländischen Freunde genauso wie die Gruppe Polen, die uns seit vorgestern Nachmittag ziemlich genervt haben. Sie waren so eine geschlossene Gesellschaft, dass sie noch nicht einmal grüßten, wenn wir in den Speisebereich kamen. Im Gegenteil, sie sprangen auf, füllten ein zweites Mal ihre Teller bevor wir uns was nehmen konnten und huschten an uns vorbei.

Nun bin ich ganz allein hier, der einzige Gast bei Tariri. Ich freue mich darüber, „Feliz como um pinto no lixo” – wörtlich „glücklich wie ein Küken im Müll” – brasilianisch.

Es ist der perfekte Tag! Die Sonne scheint, blauer Himmel, Wölkchen, es ist heiß aber nicht schwül. Ich liege faul in der Hängematte und genieße die Ruhe. Hoffentlich kommt nicht Reza vorbei, der verspielte Affe, der mir heute morgen beinah das Handy geklaut hätte. Doch er kommt, lässt mich nicht lesen. Große Affenshow!

Mir wird klar, warum das Zeitkorsett der letzten Tage so eng geschnürt war. Alle im Paket gebuchten Exkursionen sollte in Gruppen stattfinden. Jetzt bin ich allein, für mich nichts geplant. Eigentlich!

Allerdings – ich bin gestern gefallen, in der Hängematte liegend. Der Haken, an der das Teil befestigt ist, hatte sich aufgebogen und ich stürzte aus ungefähr 1 m Höhe voll auf den Rücken. Autsch! Es tat so weh, dass ich einige Minuten auf dem Boden liegen blieb, bis der Schmerz sich beruhigte. Da meine Hütte ganz am äußeren Ende der Lodge liegt, hat kein Mensch den Sturz mitbekommen.

Vorsichtig probierte ich wie sich mein Körper anfühlt. Mein Steißbein und mein unterer Rücken schmerzen, aber eine ernsthafte Verletzung scheine ich mir nicht zugezogen zu haben. Trotzdem beschloss ich, eine Ibuprofen 600 zu nehmen und das „Swim with Dolphins“ abzusagen.

Ein Schuldbewusstsein über den schlechten Haken konnte ich beim Hotelmanager nicht erkennen. Aber immerhin schlug ich raus dass, obwohl ich alleine bin und Exkursionen erst ab zwei Teilnehmende durchgeführt werden, ich heute meine „Swim with Dolphins“ machen darf. Es wird sensationell werden. Auch wenn es nicht wirklich ein Schwimmen ist, sondern ein im Wasser sein, wenn die wilden, rosafarbenen Delfine mit Fisch an das Plateau gelockt werden. Einen Delfin den Bauch zu streicheln, berührt mich sehr.

Viel zu berichten habe ich weiter nichts. Die Tage ähneln sich, die Exkursionen machen Spaß und ich lerne etwas über das Leben im Amazonas. Aber euch damit langweilen möchte ich nicht. Bald sind Reisetage, dann stelle ich ein paar Impressionen zusammen. Morgen geht es wieder in die „Hölle von Manaus“ , von dort am Montag nach Rio de Janeiro.