Tag 18 und 19 – Tariri Amazonas Lodge

Es gibt eine Regel in Brasilien, die scheinbar überall gilt. Sie lautet: wenn es regnet, geht das Internet nicht. Das gilt auch im Regenwald. Und es regnet viel, denn es ist Regenzeit. Funktioniert der Zugang, dann hängen alle Gäste der Lodge in dem Bereich, wo der Empfang am besten ist. Wie Motten ums Licht schwirren, so versammeln sich alle um den Router, der den Kontakt zur Außenwelt herstellt.

Ich bin seit Mittwoch in der Tariri Amazonas Lodge, rund 70 km von Manaus entfernt ist. Und noch einmal verändert sich der Charakter meiner Reise. Ich werde zum Teil einer Gruppe. Daran muss mich erst gewöhnen.

Je nach Länge des Aufenthalts gibt ein festes Paket von Exkursionen, die in der Buchung einer Dschungel Lodge enthalten sind. Besuch einer typischen Community, Wanderung durch den Regenwald, Schwimmen mit den Delphinen oder Piranhas angeln. Was die Hotels unterscheidet ist der Standard. Von der Luxus Ausstattung mit Entertainment bis zur spartanischen Lodge mit einfachen Kabinen ohne Fernseher und WLAN.

Ich will in der Natur sein, will kein Entertainment, und unbedingt reiche Russen mit Goldkettchen bei Bossa Nova Beschallung vermeiden. Ich hatte mich bei der Buchung für eine spartanische Unterkunft entschieden. Keine Bar, kein Fernseher und, wie ich vor Ort feststellte, leider auch keine Klimaanlage. Die Holzhütte auf Stelzen hat in den Fenstern Netze anstatt Glasscheiben und ein Ventilator versucht vergebens in der Nacht etwas Abkühlung zu bringen. Dafür höre ich beim Aufwachen und beim Einschlafen die Geräusche des Regenwalds um mich herum.

Mein Gruppe besteht aus einem lesbischen Pärchen und ihrem schwulen Freund, aller drei sind aus den Niederlanden und können deutsch. Und obwohl sie, aus vielen gemeinsamen Urlauben ein eingeschworenes Team sind, werde ich herzlich aufgenommen. Weil wir gemeinsam abgeholt wurden, werden wir als vom Lodge Manager als eine Gruppe betrachtet. Dazu gesellt sich noch ein schwuler Brasilianer, der seit vielen Jahren in London lebt und arbeitet. Ich mag alle. Luis der Brasilianer, muss einen Tag später schon abreisen, aber unser Kleeblatt bleibt bis Samstag zusammen.

Was mir zu schaffen macht ist, dass ich nicht mehr über meine Zeit frei verfügen kann. Es gibt einen festen Ablaufplan mit Mahlzeiten, zwischen die sich die Ausflüge einfügen. Nun bin ich abends nicht mehr allein, wir sitzen zusammen, trinken ein Bier und plaudern. Eddi ist ein Cineast, wir reden viel über Filme. Spätesten um 21 Uhr ziehen wir uns in unsere Hütten zurück.