Die Schönheit dieser Stadt offenbart sich mir nicht. Ehrlich gesagt, sie stinkt. Die schwüle Hitze legt sich wie eine bleierner Decke über die Straßen und verhindert das Eindringen von klarer Luft. Selbst die sinnflutartigen Platzregen zwischendurch bringen keine Erleichterung. Sie fluten die Wege, in großen Löchern sammeln sich Plastiktüten und weiterer Unrat und das Regenwasser verströmt den Muff der Stadt. Überall latenter Uringestank. Selbst aus den Geschäften der besseren Straßen strömt der penetrante Plasikgeruch der Produkte aus China.
Ich habe mich verlaufen. Einmal falsch abgebogen und es nicht bemerkt. In drückender Hitze versuche ich mich zu orientieren. Wenige Männer besetzen die noch wenigeren schattigen Plätze unter den mageren Bäumen dieser Hauptverkehrsstraße. Ich will hier weg, aber finde keine Stelle im Schatten in der ich mich sicher genug fühle, das iPhone auf der Tasche zu ziehen und auf ein Uber zu warten. Entschlossenen Schrittes ziehe ich weiter. Dann komme ich an einer großen, offenen Halle vorbei und sehe Stände mit touristischen Waren. Ich husche hinein und fühle mich sicher. Ich atme durch.







Nun bin ich am Hafen. Ablegestelle für Schiffe wer weiß wohin. Mensch und Waren ziehen an mir vorbei. Händler verkaufen Tickets. Ich schlendere den Pier entlang. Ich schaffe es nicht meine Eindrücke in Bildern festzuhalten.














Selbst meine Pousada bleibt mir fremd. Das „Hotel d‘Charm“ hat seine besten Tage schon lange hinter sich. Die Ausstrahlung ist schön, das Personal herzlich, mein Zimmer ist dunkel, muffig, es bröckelt von den Wänden. Sie und ich haben verschiedene Vorstellung von Sauberkeit.





Es liegt gleich neben dem Theatro Amazonas, dem Tourismus Magneten der Stadt, in der Blütezeit des Kautschukhandels erbaut. Mit europäischen Rohstoffen, über Schiffe hergeschafft, für die feine europäischen Gesellschaft und ihre pompösen Empfängen, erstrahlt es noch heute in glanzvoller Pracht.








In dieser Stadt vermischen sich Schönheit, Hässlichkeit und bittere Armut zu einer untrennbaren Einheit. Manaus ist ein Moloch von 2.250.000 Menschen.
Ein paar Meter von meinem Hotel entfernt, einer „sicheren“ Gegend, gerate ich in die wahrscheinlich brenzligste Situation seit meines Brasilien Aufenthalts. An der Straßenecke kurz vor meiner Pousada kreuze ich ein Paar, dass ich auch deswegen registriere weil die Frau auffällig laut singt.
Während ich weiter auf mein Hotel zugehe, spüre ich, dass sie mir folgen. Ich beschleunige den Schritt, habe den Schlüssel für das Gate schon in der Hand und husche schnell hinter das Gittertor. Ich drehe mich um, unsere Blicke kreuzen sich. Ich meine ein spöttisches Grinsen zu erkennen. Ich komme mir vor wie eine Maus, die der Katze grade entwischt ist. Vom sicheren Garten aus beobachte ich das Paar noch einen Moment. Sie durchwühlen den Abfalleimer der gegenüberliegenden Seite, alles, was nicht von Nutzen ist, wird fallen gelassen.





Diese Stadt und die schwüle Hitze stressen mich. Den Rest des Tages verbringe ich im Garten des Hotels, nur abends gehe ich zum Essen raus. Manaus wird für mich nur als Ausgangsort in Erinnerung bleiben, für meine kommenden Tage in einer Dschungel Lodge im Amazonas Regenwald.
