Endlich! Die Chapada Diamantina ist eine grüne Hochebene, die aus drei parallelen Gebirgszügen besteht. Deren östliche Kette Serra do Sincorá gehört seit 1985 mit 152.000 Hektar zu den 30 größten Nationalparks Brasiliens. Die vielen Wasserfällen, Flüssen mit Naturschwimmbecken, Höhlen und Sumpflandschaften kennzeichnen die Chapada Diamantina, deren Geschichte eng mit Diamantenfunden Mitte des 19. Jahrhunderts verbunden. Viele Glücksritter kamen während des Diamantenbooms nach Lençóis (zu deutsch Bettwäsche) und hausten in improvisierten Zeltunterkünften, die aus der Ferne wie weiße Tücher in der Landschaft aussahen. Mit all diesen Informationen wird mein Wissensschatz heute erweitert.
Tay holt mich ab, und wir wandern von meiner Unterkunft aus los. Wir kraxeln über Felsen und waten durch das Wasser. Wir kommen an einer spektakulär farbigen Sandsteinhöhle vorbei, deren Gänge zum Teil von Diamantenschürfern ausgehoben wurden. Es ist ein echter Luxus mit einem privaten Guide unterwegs zu sein. Wo immer wir auf andere Gruppen stoßen, Tay kennt die die Führer und auch die Händler, die selbst in den entlegensten Winkeln ihre Ware feilbieten. Es gibt immer eine herzliche Begrüßung und einen Plausch. Den Kokosnüssen kann ich nicht widerstehen, schon gar nicht der Kokosnussverkäuferin.









Nach einigen Kilometern und einigen Höhenmetern erreichen wir den Poço do Paraíso. Ein paradiesischer kleiner Wasserfall ergießt sich in ein dunkles Naturbecken und es ist ein Vergnügen nach dem schweißtreibenden Aufstieg im ungemein erfrischenden Wasser zu schwimmen. Dort bin ich kaum rauszukriegen, aber auch Tay springt ins kühle Nass. Überhaupt ist es ein Vorteil, wo immer ich verweilen will, Tay wartet geduldig. Heute breche ich mit der Regel, Fotos von mir nur selbst zu erzeugen. Ich bitte Tay diesen besonderen Moment im Poço do Paraíso festzuhalten.












Von einem hoch gelegenen Aussichtspunkt bietet sich ein beeindruckender weiter Blick auf Lençóis und die dahinter liegende Ebene. Ich bin voll ergriffen. Ich bleibe ewig dort oben, und meine Gefühle vermischen sich tief in meinem Herzen. Ich bin traurig weil ich ohne Stephan hier bin, dankbar, dass er es mir ermöglicht hat, diese Reise zu machen und stolz, dass ich den Mut hatte, alleine nach Brasilien zu reisen.



Getrübt wird der Tag nur als als ich am Ende der Tour erfahre, dass Tai am Samstag keine Zeit für mich hat. Und das, obwohl ich auch aktuell immer wieder erwähnt hatte, dass ich mit ihm zwei Tage unterwegs sein möchte. Es ist Samstag und er will sich um seinen Sohn kümmern. Ich bin enttäuscht und auch etwas ratlos. Tay meint, ich könnte mich an einer anderen Gruppe anschließen, schließlich sitzt einer der größten Touren Agenturen in meinem Hotel. Aber es stellt sich heraus, dass für den nächsten Tag überhaupt keine Touren angefragt wurden. Mir bleibt nichts weiter übrig, als eine private Tour über die Agentur zu buchen, was extrem teuer ist. Doch was soll ich machen, ich bin ja extra hierher gereist um im Nationalpark zu wandern. Soll der heutige Ausflug alles gewesen sein? Auf keinen Fall. Doch ohne offizielle Guides darf niemand unterwegs sein. Ich buche also am Abend für den morgigen Tag eine Wanderung von rund 15 km.

